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Geburtsort des deutschen Fußballs

Ein Meistertitel, zwei Pokalsiege und Kantersieg gegen Valencia. Die Zeiten, in denen Karlsruhe für Furore sorgte, sind lange vorbei. Kaum zu glauben, dass der Fußballboom in Deutschland einst dort seinen Anfang nahm. Wesentlich dafür verantwortlich: Walther Bensemann.

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Das erste Mannschaftsfoto: Der Karlsruher FV auf dem Engländerplatz im Jahr 1892

Alles begann mit einem Ball – wen könnte das verwundern? Dennoch ist es fraglich, ob sich der Gymnasiast Walther Bensemann der Auswirkungen seiner Tat voll bewusst war, als er im September 1889 ein rundes Spielgerät aus einem Paket nahm, das er sich aus der Schweiz hatte zuschicken lassen.

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Der damals 16-Jährige hatte davor einige Jahre in Montreux auf einer Privatschule verbracht und war dort durch englische Mitschüler mit einer neuen Sportart namens „Fußball“ in Berührung gekommen. Nach dem Umzug seiner Familie in das beschauliche Karlsruhe war Bensemann fest entschlossen, auch seine neuen Mitschüler für das spaßbringende Ballspiel zu begeistern. Diese hatten bis dahin allenfalls Turnen und (Militär-)Schwimmen als Freizeitbeschäftigung gekannt.

Umtriebiger Fußballpionier: Walther Bensemann

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Umtriebiger Fußballpionier: Walther Bensemann (1873-1934)

„Der Ball wurde morgens vor der Schule aufgeblasen und in der 10-Uhr-Pause musste bereits ein Fenster des Gymnasiums daran glauben“, beschrieb Bensemann später den ersten Schulhofkick. Direktor Wendt war „not amused“ und schickte die Jungs auf einen kleinen Exerzierplatz, den Großherzog Friedrich I. „der gesamten studierenden Jugend Karlsruhes als Spielplatz“ überlassen hatte. Die Zahl der kickenden Schüler wuchs nahezu täglich. Unter den badischen Bolzplatzpionieren befanden sich der spätere FIFA-Generalsekretär Ivo Schricker und die beiden Nationalspieler Gottfried Fuchs und Julius Hirsch. Schnell spielten auch in Karlsruhe wohnenden Engländer regelmäßig mit. Als Umkleide und Materialraum für alle diente ein nahegelegener Feuerwehrturm.

International Football Club, Karlsruher Football Club, Karlsruher Fußballverein, Karlsruher Kickers – die Fußballvereine sprossen in dieser Phase wie Pilze aus dem Boden: Immer mittendrin: Walther Bensemann, der noch Geburtshelfer vieler Clubs werden sollte, darunter Eintracht Frankfurt und Bayern München. 1920 gründete er schließlich den „Kicker“, bevor er von den Nationalsozialisten wegen seiner vermeintlich jüdischen Herkunft ins Exil getrieben wurde und bald darauf als gebrochener Mann starb.

Fußball, eine „englische Krankheit“

Überall im Deutschen Kaiserreich mussten die Fußballpioniere zunächst gegen Vorurteile ankämpfen: Es waren vor allen die Turner, die ihren Sport für besonders deutsch und tugendhaft hielten. Turnlehrer Karl Planck hetzte 1898 in seiner Streitschrift „Fusslümmlei“ gegen den Fußball, den er als „englische Krankheit“ und „Aftersport“ bezeichnete. Auch der kleine Sportplatz in Karlsruhe hatte schnell seinen Namen weg: „Engländerplatz“ taufte ihn der Volksmund aufgrund der Kicker, die sich dort regelmäßig tummelten. Ob die Bezeichnung anfangs positiv gemeint war, darf aus genannten Gründen durchaus bezweifelt werden.

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Der Siegeszug des Fußballs war mittelfristig dennoch nicht mehr aufzuhalten. Noch vor der Gründung des DFB im Jahr 1900 organisierte Walther Bensemann – wer auch sonst – die so genannten „Ur-Länderspiele“, in denen deutsche Auswahlmannschaften gegen französische und englische Teams antraten. Im November 1899 bestaunten rund 5.000 Schaulustige das „Internationale Fußball Wettspiel“ auf dem Engländerplatz zwischen Deutschland und England. Das 0:7 war eine Sensation angesichts der Tatsache, dass es auf der Insel schon einige Jahre Profifußball gab.

Bis heute ein Bolzplatz

Gebolzt wird immer noch: Der Engländerplatz heute

In Deutschland wussten die Karlsruher Mannschaften bei den ersten Deutschen Meisterschaften, die seit 1903 offiziell veranstaltet wurden, ihren Entwicklungsvorsprung zu nutzen und zählten stets zu den Spitzenteams. Phönix Karlsruhe (später Karlsruher SC) und der Karlsruher FV (heute Kreisliga C) holten die Siegestrophäe „Viktoria“ in den Jahren 1909 und 1910 zweimal in Folge in die Fächerstadt.

Der Engländerplatz hatte zu diesem Zeitpunkt als Spielstätte für die beiden Vereine bereits ausgedient. Ein Bolzplatz ist er aber bis heute geblieben, obwohl er im Dritten Reich als Aufmarschplatz und nach dem Krieg als Trümmerplatz zweckentfremdet wurde. Selbst ein Mensa-Neubau in jüngster Zeit konnte nicht verhindern, dass auf dem urigen Schotterfeld weiterhin (Hobby-)Fußballer dem runden Leder nachjagen.

Fotos: © Gemeinfrei, Republik Fussball

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