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"Gemeinsam für den Sport kämpfen, den wir lieben"

Ein Großteil der BVB-Fans boykottiert zum Rückrundenauftakt das Spiel beim HSV. Dazu aufgerufen hat die Initiative „Kein Zwanni – Fußball muss bezahlbar sein“. Die Hintergründe und Ziele der Aktion erläutert uns deren Sprecher Marc Quambusch im Interview.

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Choreo der BVB-Fans in München: "Wenn wir nicht aufpassen, ist Fußball als Volkssport bald Vergangenheit."

Marc, Eure Initiative „Kein Zwanni für nen Steher“ hat zum Boykott des Bundesliga Spiels Hamburger SV- Borussia Dortmund aufgerufen – warum gerade dieses Spiel?

Lass mich bitte zunächst klarstellen, dass die Initiative mittlerweile „Kein Zwanni – Fußball muss bezahlbar sein“ heißt. Gegründet wurden wir als „Kein Zwanni für nen Steher“, aber wir haben uns relativ schnell umbenannt, weil es eben nicht nur um die Steher geht, sondern um faire Preise für Sitz- UND Stehplätze.

Der Boykott in Hamburg ist eigentlich logisch. Der HSV hat seit Jahren Höchstpreise und vier unterschiedliche Preiskategorien. Wir wollten letzte Saison schon boykottieren. Dann hat uns die HSV-Führung aber Gespräche in der Sommerpause angeboten, wenn wir den Boykott absagen würden. Wir haben zugestimmt und stattdessen eine Kundgebung auf dem Rathausmarkt gemacht – zusammen mit Fans des HSV.

Es geht aber nicht darum, nur den HSV an den Pranger zu stellen. Viele Bundesligisten haben in den letzten fünf Jahren die Ticketpreise um über 37% und mehr angehoben.

Wie kam es zu „Kein Zwanni“?

Die Initiative ist entstanden, als für das Derby in Gelsenkirchen die Preise von einer Saison auf die andere explodierten. Wenn ich ehrlich bin, will ich darüber aber nicht mehr reden. Die Kampagne wird für meinen Geschmack immer noch zu sehr auf den BVB reduziert. Das Thema ist aber ein bundesweites!

Die Unterstützung aus den unterschiedlichen Fanlagern wächst – auch Profis bekennen sich mittlerweile offen zu „Kein Zwanni“…

Im „Kein Zwanni“-Netzwerk sind u.a. schon HSV-, Köln-, Bayern-, Mainz- und Hertha-Fans aktiv. Es ist wichtig, dass die Fans aller Vereine begreifen, dass es hier nicht um Vereinsfarben geht, sondern darum die Grenzen zu überwinden und gemeinsam für den Sport zu kämpfen, den wir lieben. Kevin Großkreutz hat sich in einem Interview positiv geäußert, Marcel Jansen hat Verständnis für die Aktion bekundet und Podolski ist ja auch sehr Fan nah.

Was sind Eure konkreten Ziele?

Wir fordern u.a. die Abschaffung der Topzuschläge für Gästefans – für Steh- und Sitzplätze – sowie generell ein ausreichendes Kontingent an günstigen Tickets. Es kann nicht sein, dass man wie die Bayern günstige Stehplätze anbietet, die Sitzplatzpreise aber bis zum Mond reichen. Der Fußball muss für alle Gesellschafts- und Altersschichten erreichbar bleiben.

Wenn wir nicht aufpassen, ist Fußball als Volkssport bald Vergangenheit. In England ist das ja schon so: Früher das Mutterland der Fankultur, heute mausetot. Wer dort Stimmung will, muss in den Pub, weil sich viel Fans kein Ticket mehr leisten können.

Der Gästeblock wird am Samstag dennoch nicht ganz leer bleiben…

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Das wäre illusorisch gewesen, das zu glauben. Dafür sind viele Fans, vor allem aus dem Norden, zu schwer zu erreichen. Wir werden aber mit Flugblättern dafür sorgen, dass sie am Spieltag informiert sind, denn die nächste Saison kommt bestimmt. Und das Spiel ist immer noch nicht ausverkauft. Es gibt zwar offiziell nur noch Restkarten, aber das ist schon seit Wochen so. Das zeigt für uns, wie gut die Aktion angenommen wird.

Als Fan freiwillig auf einen Stadionbesuch zu verzichten, ist hart. Was werden die BVB-Fans stattdessen tun?

Wir werden vor dem Stadion stehen und Radio hören. So sind wir der Mannschaft nah und setzen ein Zeichen. Wir freuen uns über jeden, der sich uns anschließt. Aber bitte ein Radio mitbringen (schmunzelt).

Die mediale Resonanz auf „Kein Zwanni“ ist enorm – überrascht?

Ehrlich gesagt: nein! Klar, es hat ein bisschen gedauert, unser Anliegen in die Medien zu bekommen. Aber wenn man überlegt, dass Fußball Volkssport Nummer 1 ist, dann müssten die Medien zum Thema „Eintrittspreise“ eigentlich überquillen. Aber wir wollen uns keinesfalls beschweren: Am Montag hat uns sogar das ZDF-Morgenmagazin eingeladen. Um 7:20 Uhr sind wir auf Sendung.

„Vor dem Boykott ist nach dem Boykott“ – oder anders gefragt: was sind die nächsten Schritte?!

Wenn ich ehrlich bin, bin ich froh, wenn es erst mal vorbei ist und Du fragst mich nach nächsten Schritten: Na Danke!

Natürlich müssen die Gespräche mit dem HSV wieder aufgenommen werden. Auch die Koordination der Fanszenen ist wichtig: Dazu wird es wieder ein bundesweites Treffen geben, allerdings in eher kleiner Runde, um weitere Aktionen zu koordinieren. Was vor Ort passiert, muss jede Szene selbst entscheiden. Wichtig ist aber, dass sich noch mehr Fans anderer Vereine anschließen.

Ich höre immer wieder: „Der BVB nimmt auch so hohe Preise.“ Da kann ich nur antworten: „Dann boykottiert doch endlich!“ Wir würden die Aktion ja unterstützen, aber der Anfang muss von einer anderen Szene kommen. Zur Ehrenrettung des BVB will ich aber anmerken, dass zumindest die Topzuschläge für Stehplatzkarten bei den Gästen abgeschafft wurden. Das ist ein guter Anfang.

Vielen Dank, Marc, für die offenen Worte.

Hier geht's zur "Kein Zwanni"-Homepage: KLICK

Foto: © Joel Kurz, "Kein Zwanni"

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