"Jeder große Innenverteidiger hatte einen Friedhof vor der Haustür"

Gut gelaunt war Peter Neururer auch beim Interview - sein Meistertipp: Bayern München
Herr Neururer, können Sie sich noch an Ihren ersten Bolzplatz erinnern?
Klar! Der war in Marl in der Nähe des Volksparks neben einem Friedhof. Deshalb wurde er auch „Friedhofswiese“ genannt. Das war bezeichnend für meine Spielart. Ich wurde Innenverteidiger. Und jeder große Innenverteidiger hatte einen Friedhof vor der Haustür – zumindest war das früher so.
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Die „Friedhofswiese“ war ein schöner, ebener Rasen. Die Tore waren im Prinzip Naturtore: Die Bäume hatten eine wunderbare Spielhöhe. Ich habe da täglich Stunden verbracht. Nach der Schule bin ich sofort auf den Fußballplatz bis abends das Kommando des Elternhauses kam. Mit dreckverschmierten Klamotten bin ich immer an den Abendtisch gekommen und fing mir dementsprechend ein paar nette Worte ein, denn so hatte man wirklich nicht beim Essen zu erscheinen (schmunzelt).
Mit wem haben Sie dort gebolzt?
Im Prinzip haben sich dort alle Kinder aus Alt-Marl getroffen. Wir haben immer „Straßenturniere“ ausgetragen: Da trat die Dammstraße, woher ich kam, beispielsweise gegen die Victoriastraße oder die Hochstraße an – ein Tummelplatz also für sämtliche, große Talente (grinst).
Als Aktiver haben Sie lediglich in Amateur-Oberliga (4. Liga) gespielt, bevor Sie sich zu einer Trainerkarriere im Profifußball entschlossen haben. Was konnten Sie davon vom Bolzplatz mitnehmen?
(lacht) Ganz klar die Möglichkeit des Improvisierens – so nach dem Motto: „Wenn keine Tore da sind, dann macht man sie sich eben. Und wenn das auch nicht geht, nimmt man die Bäume.“
Die Bundesliga ist in diesem Jahr an Spannung kaum zu überbieten. Welche Erklärung haben Sie dafür?
Dass vier Mannschaften oben so eng zusammen sind, hat es mindestens 20 Jahre nicht mehr gegeben. Die absolute Favoritenmannschaft Bayern München zeigt punktuell Schwächen, so dass Dortmund, Schalke und Gladbach auf Augenhöhe sind – zumindest momentan. Das beschert uns eine der spannendsten Bundesligasaisons überhaupt, auch wenn man in der Tabelle weiter nach unten geht. Hoffenheim auf dem 8. Platz und Wolfsburg auf dem 9. Platz können einerseits schnell in den Abstiegskampf geraten, andererseits besteht die reelle Chance auf den internationalen Wettbewerb: Das ist wirklich eine außergewöhnliche Sache.
Dennoch glaube ich, dass Bayern München Deutscher Meister wird, habe aber die Hoffnung, dass Schalke es schafft.
Auch beim Aufstiegsrennen in der 2. Bundesliga geht es eng zu…
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Normalerweise wäre jedes der fünf Teams den Konkurrenten schon weit enteilt! Doch Düsseldorf, Fürth, Frankfurt, St. Pauli und Paderborn befinden sich quasi gerade auf Augenhöhe. Ich glaube allerdings – bei aller Wertschätzung – dass Paderborn bis zum Ende auf diesem Level nicht mithalten kann, weil die Mannschaft über ihrem eigentlichen Niveau spielt. Hinzu kommen weitere Faktoren: Der ein oder andere Spieler wurde im Hinblick auf die neue Saison schon abgegeben, vielleicht ist die Motivation nicht mehr die beste. Die anderen vier Teams haben teilweise ganz unterschiedliche Spielanlagen und werden das unter sich ausmachen. Klar ist aber auch: Mindestens eine Mannschaft wird dabei leer ausgehen.
Können Sie die Rolle als außenstehender Beobachter mittlerweile genießen oder reizt Sie der Trainerjob immer noch?
Der Duft des Rasens reizt mich nach wie vor. Je länger ich davon weg bin, desto schlimmer wird es für mich. Durch meinen Job als Fernsehexperte bin ich immer noch hautnah dabei, ob es jetzt Spieltaganalysen oder Fantalks sind. Das freut mich natürlich, aber der Fußball selber und die tägliche Arbeit mit dem Fußball, das fehlt mir schon.
Welche Ihrer 15 Trainerstationen war die kurioseste?
(lacht) Die kurioseste Trainerstation war die, bei der ich den größten Fehler gemacht habe; nämlich den, dass ich überhaupt unterschrieben habe: bei Hertha BSC (Anm. der Red: 1991). Mehr will ich dazu nicht sagen, nur so viel: Da gab es jeden Tag eine neue Story. Da hätte man ganze Bücher mit füllen können.
Herr Neururer, vielen Dank für das Gespräch.
"Mein erster Bolzplatz" ist bisher erschienen mit...
- ...Pirmin Schwegler (Eintracht Frankfurt)
- ...Andreas "Lumpi" Lambertz (Fortuna Düsseldorf)
- ...Heinrich Schmidtgal (SpVgg Greuther Fürth)
- ...Therese Sjögran (LdB FC Malmö, Schweden)
- ...Markus Heppke (Rot-Weiss Essen)
- ...Max Kruse (FC St. Pauli)
Foto: © Action-Press
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